Italienischer Filmclub
LA GRAZIA
I 2025 · 131 min · OmU · digitalDCP · FSK 12
R/B: Paolo Sorrentino · K: Daria D’Antonio · D: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, Massimo Venturiello, Milvia Marigliano u. a.
Ein italienischer Staatspräsident in den letzten Monaten seiner Amtszeit: Mit LA GRAZIA wählt Paolo Sorrentino erneut eine Figur der Macht als Projektionsfläche für moralische und existentielle Fragen. Mariano De Santis muss über ein Sterbehilfegesetz und zwei Begnadigungsanträge entscheiden, während ihn zugleich die Erinnerung an seine verstorbene Frau verfolgt – ein politisches Drama, das konsequent ins Private kippt. Damit fügt sich der Film deutlich in Sorrentinos Gesamtwerk ein.
Wie schon in IL DIVO (2008) oder LORO (2018) interessiert ihn weniger die politische Analyse als die innere Verfasstheit der Mächtigen: Einsamkeit, Selbstinszenierung und das Bewusstsein von Vergänglichkeit. Zugleich knüpft LA GRAZIA an jene melancholische Schönheitssuche an, die spätestens seit LA GRANDE BELLEZZA (2013) sein Kino prägt. Auch formal setzt Sorrentino auf Kontinuität: Wieder arbeitet er mit Toni Servillo, seinem langjährigen Hauptdarsteller. Als Eröffnungsfilm der Biennale Cinema 2025 markiert LA GRAZIA damit weniger einen Bruch als eine Verdichtung zentraler Sorrentino- Motive – Macht als Bühne und Gewissen als Abgrund.
Einführung: Joachim Manzin (Filmforum – Freundeskreis des Filmmuseums)